Ablauf der medizinischen Untersuchung
So läuft die medizinische Untersuchung bei der MPU ab: Blutentnahme, Urinprobe, körperliche Untersuchung und ärztliches Gespräch.
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Überblick: Die medizinische Untersuchung als Teil der MPU
Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) besteht aus drei Hauptbestandteilen: der medizinischen Untersuchung, den computergestützten Leistungstests und dem psychologischen Gespräch. Die medizinische Untersuchung bildet dabei einen unverzichtbaren Baustein, der etwa 30 bis 45 Minuten in Anspruch nimmt. Die gesamte MPU dauert in der Regel drei bis vier Stunden, wobei die Reihenfolge der einzelnen Abschnitte je nach Begutachtungsstelle variieren kann.
Bei der medizinischen Untersuchung geht es darum, Ihren körperlichen Gesundheitszustand zu erfassen und zu beurteilen, ob gesundheitliche Einschränkungen bestehen, die Ihre Fahreignung beeinträchtigen könnten. Dabei werden je nach Fragestellung unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt: Bei einer Alkoholfragestellung stehen Leberwerte und körperliche Anzeichen für chronischen Alkoholkonsum im Vordergrund, während bei einer Drogenfragestellung das Drogenscreening und die Suche nach Konsumspuren dominieren.
Die medizinische Untersuchung wird von einem Arzt oder einer Ärztin durchgeführt, der bzw. die auf verkehrsmedizinische Begutachtungen spezialisiert ist. Es handelt sich um eine standardisierte Untersuchung, die nach den Beurteilungskriterien der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) und der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM) durchgeführt wird. Die Ergebnisse fließen gemeinsam mit den Leistungstests und dem psychologischen Gespräch in das Gesamtgutachten ein.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.
Das ärztliche Gespräch: Anamnese und Vorgeschichte
Zu Beginn der medizinischen Untersuchung steht ein ausführliches ärztliches Gespräch, die sogenannte Anamnese. Der Arzt erfragt Ihre gesundheitliche Vorgeschichte, bestehende Erkrankungen und regelmäßige Medikamenteneinnahme. Dieses Gespräch ist kein Verhör, sondern dient der medizinischen Einschätzung Ihres Gesundheitszustands.
Typische Fragen betreffen unter anderem: Bestehen bei Ihnen chronische Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein, und wenn ja, welche? Haben Sie in der Vergangenheit Operationen oder schwere Erkrankungen gehabt? Wie ist Ihr aktueller Alkohol- und Tabakkonsum? Hatten Sie jemals Kontakt mit illegalen Substanzen?
Bei einer alkoholbedingten Fragestellung wird der Arzt gezielt nach Ihrem früheren und aktuellen Trinkverhalten fragen. Er wird wissen wollen, wie sich Ihr Konsumverhalten im Laufe der Zeit verändert hat und welche Maßnahmen Sie ergriffen haben, um Ihr Verhalten zu ändern. Bei einer drogenbezogenen Fragestellung werden entsprechend Fragen zu Art, Dauer und Umfang des früheren Substanzkonsums gestellt.
Wichtig ist, dass Sie im ärztlichen Gespräch ehrlich und offen antworten. Der Arzt verfügt über medizinische Expertise und kann Widersprüche zwischen Ihren Angaben und den körperlichen oder labortechnischen Befunden erkennen. Ehrlichkeit ist hier nicht nur eine Frage der Integrität, sondern auch strategisch sinnvoll, da Unstimmigkeiten im Gutachten negativ bewertet werden können.
Blutentnahme und Urinprobe: Labordiagnostik
Je nach Fragestellung Ihrer MPU werden unterschiedliche Laboruntersuchungen durchgeführt. Bei einer Alkoholfragestellung wird in der Regel eine Blutprobe entnommen, um die Leberwerte und spezifische Alkoholmarker zu bestimmen. Dazu gehören unter anderem die Gamma-GT (GGT), GOT (AST), GPT (ALT), der MCV-Wert sowie der CDT-Wert (Carbohydrat-defizientes Transferrin). Diese Werte geben Aufschluss darüber, ob in den letzten Wochen regelmäßig Alkohol konsumiert wurde oder ob bereits alkoholbedingte Organschäden vorliegen.
Bei einer Drogenfragestellung steht das Drogenscreening im Vordergrund. Hierfür wird in der Regel eine Urinprobe unter Aufsicht abgegeben. Die Probe wird in einem akkreditierten Labor auf verschiedene Substanzgruppen untersucht, darunter Cannabis (THC-COOH), Amphetamine, Methamphetamine, Kokain, Opiate und Benzodiazepine. Die Abgabe der Urinprobe erfolgt unter kontrollierten Bedingungen, um Manipulationsversuche auszuschließen.
In manchen Fällen können auch Haaranalysen angefordert werden, insbesondere wenn ein längerer Zeitraum der Abstinenz belegt werden soll. Haare wachsen durchschnittlich einen Zentimeter pro Monat, sodass eine Haarprobe von sechs Zentimetern einen Rückblick auf sechs Monate ermöglichen kann. Der EtG-Wert (Ethylglucuronid) in der Haarprobe ist ein wichtiger Marker: Werte unter 7 pg/mg gelten als Hinweis auf Abstinenz, Werte zwischen 7 und 30 pg/mg deuten auf moderaten Konsum hin, und Werte über 30 pg/mg sprechen für übermessigen Alkoholkonsum.
Die Blutentnahme selbst ist unkompliziert und dauert nur wenige Minuten. Es empfiehlt sich, am Tag der MPU ausreichend Flüssigkeit zu trinken, um die Blutentnahme zu erleichtern.
Die körperliche Untersuchung im Detail
Nach dem ärztlichen Gespräch und der Probenentnahme folgt die eigentliche körperliche Untersuchung. Der Arzt prüft dabei systematisch verschiedene Körperfunktionen, die für die Fahreignung relevant sind.
Zunächst werden die Vitalparameter erfasst: Blutdruck, Puls, Körpergröße und Körpergewicht. Anschließend erfolgt eine neurologische Untersuchung, bei der die Reflexe getestet werden, beispielsweise der Patellarsehnenreflex am Knie. Die Feinmotorik wird durch den Finger-Nase-Versuch überprüft, bei dem Sie mit geschlossenen Augen Ihre Nasenspitze mit dem Zeigefinger berühren sollen. Dies gibt Aufschluss über die Funktion des zentralen und peripheren Nervensystems.
Die Pupillenreaktion wird mit einer hellen Lampe geprüft. Der Arzt achtet darauf, ob sich die Pupillen gleichmäßig und regelrecht auf Licht verengen. Auffälligkeiten können auf neurologische Störungen oder aktuellen Substanzkonsum hinweisen. Bei einer Drogenfragestellung wird der Arzt besonders aufmerksam nach Einstichstellen an den Armen suchen, die auf intravenösen Drogenkonsum hindeuten könnten.
Bei einer Alkoholfragestellung tastet der Arzt häufig den Bauchraum ab, insbesondere die Leberregion. Eine vergrößerte oder verhartete Leber kann ein Hinweis auf alkoholbedingte Organschäden sein. Auch die Haut wird begutachtet: Sogenannte Spider Nävi (spinnenartige Gefässzeichnungen) oder eine Rötung der Handflächen können auf chronischen Alkoholkonsum hindeuten.
Die Untersuchung des Seh- und Hörvermögens gehört ebenfalls zum Standardprogramm, da beide Sinne für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr essenziell sind.
Unterschiede je nach Fragestellung: Alkohol, Drogen, Punkte
Der Umfang und die Schwerpunkte der medizinischen Untersuchung variieren je nach dem Anlass Ihrer MPU. Es gibt drei Hauptfragestellungen, die jeweils unterschiedliche medizinische Aspekte in den Vordergrund rücken.
Bei einer Alkoholfragestellung liegt der Fokus auf den Leberwerten (GGT, GOT, GPT, MCV) und dem CDT-Wert sowie auf körperlichen Anzeichen für chronischen Alkoholkonsum. Der Arzt wird besonders auf Zeichen einer Lebererkrankung, Gefässveränderungen der Haut und neurologische Auffälligkeiten achten. In der Regel werden Abstinenznachweise über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten gefordert, die durch regelmäßige Blutuntersuchungen oder Haaranalysen belegt werden.
Bei einer Drogenfragestellung stehen das Drogenscreening im Urin oder Blut sowie die körperliche Suche nach Konsumspuren im Mittelpunkt. Abstinenznachweise werden bei Drogen in der Regel über sechs bis fünfzehn Monate verlangt, wobei mehrere unangekündigte Kontrollen stattfinden. Die Nachweiszeiten im Urin variieren je nach Substanz: Cannabis kann bei regelmäßigem Konsum bis zu 30 Tage nachweisbar sein, Amphetamine zwei bis neun Tage, Kokain zwei bis vier Tage und Opiate ebenfalls zwei bis vier Tage.
Bei einer Punktefragestellung oder verkehrsauffälligem Verhalten ohne Substanzbezug fällt die medizinische Untersuchung in der Regel weniger umfangreich aus. Der Schwerpunkt liegt hier mehr auf den Leistungstests und dem psychologischen Gespräch. Dennoch wird auch hier der allgemeine Gesundheitszustand geprüft, um sicherzustellen, dass keine körperlichen Einschränkungen vorliegen, die die Fahreignung beeinträchtigen.
Tipps zur Vorbereitung auf die medizinische Untersuchung
Eine gute Vorbereitung kann Ihnen helfen, die medizinische Untersuchung gelassen und erfolgreich zu durchlaufen. Hier sind einige praktische Hinweise.
Bringen Sie alle relevanten medizinischen Unterlagen mit: Arztbriefe, aktuelle Medikamentenpläne und bereits vorhandene Abstinenznachweise. Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten Sie eine aktuelle Liste dabei haben. Informieren Sie den Arzt offen über alle Medikamente, auch freiverkäufliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel.
Am Tag der Untersuchung sollten Sie ausreichend geschlafen haben und ausgeruht erscheinen. Trinken Sie genügend Wasser, um die Blutentnahme zu erleichtern, aber vermeiden Sie übermessigen Koffeinkonsum, der Ihren Blutdruck und Puls erhöhen könnte. Verzichten Sie selbstverständlich auf jeglichen Alkohol- oder Drogenkonsum in den Tagen und Wochen vor der Untersuchung.
Wenn Sie Abstinenznachweise erbringen müssen, sollten Sie frühzeitig mit einem Abstinenzprogramm bei einer anerkannten Stelle beginnen. Die Abstinenznachweise müssen von forensisch akkreditierten Laboren stammen und bestimmte Qualitätsstandards erfuellen. Beginnen Sie idealerweise mindestens sechs Monate vor Ihrem geplanten MPU-Termin mit den Kontrollen.
Seien Sie im ärztlichen Gespräch ehrlich und kooperativ. Versuchen Sie nicht, Ihren früheren Konsum herunterzuspielen oder gesundheitliche Probleme zu verschweigen. Die Ärzte sind erfahren und können Unstimmigkeiten erkennen. Eine offene und reflektierte Haltung wird positiv bewertet und trägt zu einem guten Gesamtergebnis bei.
Quellen und weiterführende Informationen
- ADAC: MPU-Ablauf – So läuft die medizinisch-psychologische Untersuchung ab (adac.de) - TUEV SUED: Verlauf eines Untersuchungstages bei der MPU (tuvsud.com) - Führerscheine.de: Medizinischer Teil der MPU (führerscheine.de) - Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt): Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung - Deutsche Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) und Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM): Beurteilungskriterien – Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung, 4. Auflage - Nord-Kurs: Dauer einer MPU (nord-kurs.de)