Die körperliche Untersuchung bei der MPU
Was Sie bei der körperlichen Untersuchung der MPU erwartet: Blutdruck, Reflexe, Pupillenreaktion und neurologische Tests.
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Zweck und Bedeutung der körperlichen Untersuchung
Die körperliche Untersuchung ist ein wesentlicher Bestandteil der medizinischen Begutachtung bei der MPU. Sie dient dazu, Ihren allgemeinen Gesundheitszustand zu erfassen und festzustellen, ob körperliche Einschränkungen vorliegen, die Ihre Fahreignung beeinträchtigen könnten. Die Untersuchung wird von einem verkehrsmedizinisch erfahrenen Arzt durchgeführt und dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten.
Anders als bei einer normalen Vorsorgeuntersuchung steht bei der MPU-spezifischen körperlichen Untersuchung die Fahreignung im Mittelpunkt. Der Arzt prüft gezielt körperliche Funktionen, die für das sichere Führen eines Fahrzeugs relevant sind: Sehvermögen, Hörvermögen, Beweglichkeit, Koordination, neurologische Funktionen und die allgemeine körperliche Konstitution.
Bei alkoholbezogenen Fragestellungen sucht der Arzt zusätzlich nach körperlichen Anzeichen, die auf chronischen oder übermessigen Alkoholkonsum hindeuten. Bei Drogenfragestellungen richtet sich die Aufmerksamkeit auf mögliche Spuren des Substanzkonsums und dessen körperliche Folgen.
Die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung werden im Gutachten dokumentiert und fließen gemeinsam mit den Laborergebnissen, den Leistungstests und dem psychologischen Gespräch in die Gesamtbeurteilung ein. Auffällige Befunde müssen nicht zwangsläufig zu einem negativen Gutachten führen – entscheidend ist die Gesamtschau aller Untersuchungsergebnisse.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.
Vitalparameter: Blutdruck, Puls, Größe und Gewicht
Zu Beginn der körperlichen Untersuchung werden Ihre grundlegenden Vitalparameter erfasst. Dies geschieht schnell und schmerzfrei.
Der Blutdruck wird in der Regel im Sitzen am Oberarm gemessen. Normale Werte liegen bei etwa 120/80 mmHg. Ein leicht erhöhter Blutdruck durch Aufregung ist am Untersuchungstag völlig normal und wird vom Arzt entsprechend berücksichtigt. Stark erhöhte Werte (über 180/110 mmHg) können jedoch auf eine unbehandelte Hypertonie hindeuten, die bei Extremwerten auch die Fahreignung beeinträchtigen kann.
Der Puls wird manuell am Handgelenk oder automatisch während der Blutdruckmessung erfasst. Ruhepulswerte zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute gelten als normal. Ein sehr schneller Puls kann auf Aufregung, aber auch auf Herzrhythmusstörungen oder den Konsum von Substanzen hindeuten.
Körpergröße und Körpergewicht werden gemessen und der Body-Mass-Index (BMI) errechnet. Diese Werte dienen der allgemeinen Einschätzung des Gesundheitszustands. Extremes Übergewicht oder Untergewicht kann in Zusammenhang mit anderen Befunden medizinisch relevant sein.
Der Arzt achtet bei der Erhebung der Vitalparameter auch auf Ihren allgemeinen Zustand: Wirken Sie gepflegt und wach? Sind Zeichen von Verwahrlosung oder Substanzeinfluss sichtbar? Riechen Sie nach Alkohol oder wirken Sie benommen? Diese ersten Eindrücke fließen ebenfalls in die Beurteilung ein. Es mag selbstverständlich erscheinen, aber erscheinen Sie zur MPU ausgeruht, nüchtern und in einem gepflegten Zustand.
Neurologische Untersuchung: Reflexe und Koordination
Die neurologische Untersuchung ist ein Kernbestandteil der körperlichen Begutachtung und prüft die Funktion Ihres zentralen und peripheren Nervensystems. Intakte neurologische Funktionen sind für das Autofahren unabdingbar.
Der Arzt testet zunächst Ihre Reflexe. Der bekannteste Test ist der Patellarsehnenreflex (Kniesehnenreflex): Der Arzt schlägt mit einem Reflexhammer leicht auf die Sehne unterhalb Ihrer Kniescheibe, woraufhin Ihr Unterschenkel reflexartig nach vorne schnellen sollte. Geprüft wird, ob der Reflex auf beiden Seiten gleichmäßig und in normaler Stärke auslösbar ist. Fehlende, abgeschwächte oder übersteigerte Reflexe können auf Nervenschädigungen hindeuten, wie sie etwa durch langjahrigen Alkoholmissbrauch (alkoholische Polyneuropathie) entstehen können.
Die Feinmotorik und Koordination wird durch verschiedene Tests überprüft. Beim Finger-Nase-Versuch werden Sie gebeten, mit geschlossenen Augen abwechselnd mit dem rechten und linken Zeigefinger Ihre Nasenspitze zu berühren. Der Arzt beobachtet, ob Sie die Nase zielsicher treffen oder ob ein Zittern oder Vorbeizeigen auftritt.
Der Romberg-Stehversuch prüft Ihr Gleichgewicht: Sie stehen mit geschlossenen Augen und eng nebeneinandergestellten Füßen. Der Arzt beobachtet, ob Sie stabil stehen oder ins Schwanken geraten. Gleichgewichtsstörungen können auf Schädigungen des Kleinhirns oder des Gleichgewichtsorgans hinweisen.
Weitere mögliche Tests umfassen den Unterberger-Tretversuch (Treten auf der Stelle mit geschlossenen Augen), den Finger-Folge-Versuch (Verfolgen des Arztfingers mit den Augen) und den Diadochokinesetest (schnelles Drehen der Hände). All diese Tests sind schmerzfrei und dauern jeweils nur wenige Sekunden.
Pupillenreaktion und Augenbefund
Die Untersuchung der Augen und insbesondere der Pupillenreaktion hat bei der MPU einen hohen Stellenwert, da sie Rückschlüsse auf möglichen Substanzkonsum und neurologische Funktionen erlaubt.
Der Arzt leuchtet mit einer hellen Taschenlampe in Ihre Augen und beobachtet die Pupillenreaktion. Bei Lichteinfall sollten sich die Pupillen schnell und gleichmäßig verengen (Miosis). Beim Entfernen der Lichtquelle erweitern sie sich wieder (Mydriasis). Geprüft werden die direkte Lichtreaktion (am beleuchteten Auge) und die konsensuelle Lichtreaktion (am gegenüberliegenden Auge).
Auffällige Pupillenbefunde können auf verschiedene Ursachen hindeuten: Stark verengte Pupillen (Stecknadelpupillen) können ein Zeichen für den aktuellen Konsum von Opiaten oder Opioiden sein. Stark erweiterte Pupillen können auf den Einfluss von Amphetaminen, Kokain, Cannabis oder Halluzinogenen hindeuten. Träge oder fehlende Pupillenreaktion kann auf neurologische Schädigungen hinweisen. Seitenungleiche Pupillen (Anisokorie) erfordern weitere Abklärung, können aber auch als Normvariante vorkommen.
Neben der Pupillenreaktion wird häufig auch eine orientierende Prüfung des Sehvermögens durchgeführt. Für den Führerschein der Gruppe 1 ist eine Sehschärfe von mindestens 0,7 (70 Prozent) erforderlich, wobei eine Korrektur durch Brille oder Kontaktlinsen zulässig ist. Für die Gruppe 2 gelten strengere Anforderungen mit einer Sehschärfe von mindestens 0,8 auf jedem Auge.
Der Arzt kann außerdem nach Anzeichen für eine Gelbfärbung der Augenbindehaut (Sklerenikterus) schauen, die auf Leberprobleme hindeuten kann – ein möglicher Hinweis auf chronischen Alkoholkonsum.
Spezifische Untersuchungen bei Alkohol- und Drogenfragestellung
Je nach dem Anlass Ihrer MPU legt der Arzt unterschiedliche Schwerpunkte bei der körperlichen Untersuchung.
Bei einer Alkoholfragestellung achtet der Arzt besonders auf körperliche Zeichen chronischen Alkoholkonsums. Dazu gehören: Die Abtastung der Leber (Palpation) im rechten Oberbauch – eine vergrößerte, verhärtete oder druckschmerzhafte Leber kann auf alkoholbedingte Leberschäden hindeuten. Hautveränderungen wie Spider Nävi (spinnenartige Gefässzeichnungen, meist an Brust und Schultern), Palmarerythem (Rötung der Handflächen) oder Dupuytren-Kontraktur (Verdickung und Verkürzung der Sehnenplatte in der Handfläche) sind mögliche Stigmata des chronischen Alkoholkonsums. Zeichen einer Polyneuropathie wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder abgeschwächte Reflexe in den Füßen weisen auf alkoholbedingte Nervenschädigungen hin.
Bei einer Drogenfragestellung wird der Arzt gezielt nach Einstichstellen an den Armen, in den Ellenbeugen, an Händen und Füßen suchen. Frische oder vernarbte Einstichstellen können auf intravenösen Drogenkonsum hindeuten. Der Arzt untersucht auch die Nasenschleimhaut, da regelmäßiges Schnupfen von Kokain zu Schädigungen der Nasenscheidewand führen kann.
Der Zustand der Zähne wird ebenfalls begutachtet: Fortgeschrittener Zahnverfall kann bei Methamphetamin-Konsum auftreten (sogenannter Meth-Mund). Auch allgemeine Zeichen von Verwahrlosung oder Mangelernehrung werden als mögliche Hinweise auf einen aktiven Substanzkonsum gewertet.
Wichtig zu betonen: Einzelne Befunde führen nicht automatisch zu einem negativen Gutachten. Entscheidend ist die Gesamtbetrachtung aller Untersuchungsergebnisse.
Häufige Fragen und Sorgen zur körperlichen Untersuchung
Viele Betroffene haben Sorgen und Fragen zur körperlichen Untersuchung. Hier sind Antworten auf die häufigsten Bedenken.
Muss ich mich für die Untersuchung ausziehen? In der Regel müssen Sie sich nicht vollständig entkleiden. Für die Reflexprüfung müssen Sie gegebenenfalls die Hosenbeine hochkrempeln, und bei der Untersuchung auf Einstichstellen werden Sie gebeten, die Ärmel hochzuschieben. Tragen Sie daher beqüme Kleidung, die sich leicht anpassen lässt.
Kann ich die körperliche Untersuchung ablehnen? Grundsätzlich ist die medizinische Untersuchung ein obligatorischer Teil der MPU. Eine Verweigerung wird in der Regel als fehlende Mitwirkung gewertet und führt zu einem negativen Gutachten.
Was ist, wenn ich eine chronische Erkrankung habe? Viele Menschen mit chronischen Erkrankungen sind uneingeschränkt fahrgeeignet. Informieren Sie den Arzt offen über Ihre Erkrankung und die aktuelle Behandlung. Der Arzt wird beurteilen, ob Ihre Erkrankung im konkreten Fall relevant ist.
Kann ein Befund zur negativen Bewertung führen? Einzelne auffällige Befunde werden immer im Kontext bewertet. Eine leicht vergrößerte Leber bei einem ansonsten unauffälligen Befund und normalen Laborwerten wird anders bewertet als dieselbe Vergrößerung in Kombination mit erhöhten Leberwerten und einem auffälligen Trinkverhalten in der Vergangenheit.
Bereiten Sie sich auf die körperliche Untersuchung vor, indem Sie eine aktuelle Liste Ihrer Medikamente mitbringen, vorhandene Befunde oder Arztbriefe bereithalten und am Tag der Untersuchung ausgeruht und nüchtern erscheinen. Eine besondere Vorbereitung ist darüber hinaus nicht erforderlich – die Untersuchung prüft Ihren tatsächlichen Gesundheitszustand.
Quellen und weiterführende Informationen
- TUEV SUED: Verlauf eines Untersuchungstages bei der MPU (tuvsud.com) - Impuls GmbH: Die medizinische Untersuchung (impuls-gmbh.com) - MPU-Kompetenz: MPU Ablauf – Medizinischer Teil (mpu-kompetenz.de) - Testhelden: MPU ärztliche Untersuchung – Ablauf einfach erklärt (testhelden.com) - Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt): Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung - Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM): Beurteilungskriterien